Unmäßigkeit ist eine der sieben Todsünden

Unmäßigkeit ist eine der sieben Todsünden

Nein, ich fange jetzt nicht an über Religion zu sprechen, dazu fehlen mir sowohl Motivation als auch das umfassende Hintergrundwissen. Viele Lehren aus dem Religionsunterricht gelten heutzutage auch nicht mehr als besonders zeitgemäß, und ehrlich gesagt habe ich die Sache mit der Unmäßigkeit nie so richtig verstanden, bis ich gesehen habe wie Menschen mit der Ressource RAM umgehen.

Da mein vorheriger Arbeitgeber eine Software produzierte, welche im weitesten Sinne Daten aus verschiedenen Quellen sammelt und weiterverarbeitet, wurde ebenjenes Produkt natürlich auch intern getestet. Dabei war es notwendig auf dem Wiki Server ein Tool zu installieren, welches die zugehörigen Metadaten extrahiert. An dieser Stelle sprechen wir über ein relativ kleines Snippet, das einzig und allein dazu da war mittels HTTP eine sehr überschaubare Menge Daten in einem maschinelesbaren Format (keine Ahnung mehr ob das XML oder JSON war) zu übermitteln.

Naiv, wie ich damals war, habe ich natürlich einfach das von den Devs überreichte Binary installiert und gestartet, nur um mich alsbald zu wundern, warum der Server ziemlich in die Knie geht. Ein kurzer Blick ins htop ergibt, dass das besagte Stück Software zwischen ein und zwei Gigabyte RAM beanspruchte. Auf der VM die das Wiki beherbergte waren das bis zu 25 Prozent, was die beträchtlichen Leistungseinbußen natürlich erklärte. Es stellte sich in der Folge noch heraus, dass die verwendete JAVA-Library die eigenheit hatte, sobald man irgendetwas mit HTTP oder REST tat, automatisch einen Tomcat mit hochzufahren. Und Menschen wundern sich wirklich, warum ich diese Programmiersprache unter der Kategorie “Technik, die begeistert” abhefte.

Als ich den Dev, der maßgeblich für die Entwicklung des Werkzeugs verantwortlich war, darauf ansprach, sagte er einen Satz, den ich vermutlich in diesem Leben nie wieder vergessen werde, da er mich zutiefst traumatisiert hat:

“Wenn ich eine Applikation Programmiere, dann mache ich mir doch keine Gedanken über den Memory-Footprint!”


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