Handwerker im Haus

Handwerker im Haus

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass ich weitestgehend für die Bezugsfertigkeit unseres neuen Büros verantwortlich gemacht worden war. Während ich also zwei Wochen im Oktober damit verbrachte, im neuen Büro das Internet auszurollen, übernahm ich nebenbei die Betreuung der diversen Handwerker, die noch verschiedene Arbeiten zu erledigen hatten.

Die ersten beiden Tage hatte ich dabei noch “Unterstützung” von meinem damaligen Kollegen, nennen wir ihn Kevin. Kevin war damals genauso frisch von der Uni wie ich, hatte aber nebenbei noch nicht so viel gearbeitet und ihm fehlte in gewissen Bereichen noch ein wenig das Fingerspitzengefühl. So saß er damals mit mir im neuen Büro und konnte mir nicht beim Konfigurieren des Routers und des Switches helfen, da er den USB auf RJ45 Adapter für sein MacBook vergessen hatte. Ich dagegen hatte den kompletten Sonntagabend damit verbracht, einen Rucksack mit allen Notwendigkeiten für die vor mir liegende Unternehmung zu bestücken: Diverse Kabel und Adapter, Schraubendreher in allen möglichen und unmöglichen Formen und Größen, zwei Notebooks, Strom in verschiedensten Verpackungsformen und sogar zwei Campingstühlen (gut zugegeben die waren nicht im Rucksack sondern im Kofferraum), da es noch kein Mobiliar im Büro gab.

So schwitzte ich über der Aufgabe, das erste Mal in meinem Leben mit tagged VLANs und Routingtabellen in Kontakt zu kommen und während ich mich nach einer Glaskugel sehnte meinte Kevin plötzlich zu mir:

“Dein Internet geht nicht.”

“Das ist jetzt nicht dein ernst, oder?”, fragte ich.

“Doch, wie soll ich denn so meine Mails abholen? Das WLAN geht noch garnicht!”

“Wieso WLAN? Hilf mir doch lieber mal mit dem [Zensiert] hier!”

“Naja weil ich keinen Adapter fürs LAN-Kabel dabei habe!”

“Der WLAN-AP liegt da drüben in der Tasche, du kannst gerne schonmal das OpenWRT drauf flashen.”

“Davon hab ich keine Ahnung, mach du das. Außerdem hab ich doch kein Kabel.”

Die nächsten zwei Wochen habe ich dann allein in dem neuen Büro verbracht, aber wer denkt, dass ich in Ruhe hätte arbeiten können, irrt sich gewaltig. Während die anderen Kollegen ein wenig nölten “ich hätte es ja so gut, dass ich nicht mehr jeden Tag so weit pendeln muss”, bin ich irgendwann ausgerastet und beauftragte jemanden, dem nächsten, der das sagt, im anderen Büro eine Schlagbohrmaschine neben sein Ohr zu halten.

Zu diesem Zeitpunkt wurden gerade in allen Büros die Klimageräte unter die Decke gehängt und schöne kleine Löcher von etwa 5cm Durchmesser in die Außenwände gebohrt, um anschließend das Gerät draußen anzuschließen. Dass das im Oktober nicht mehr so ultimativ gemütlich war, neben einem Loch in der Wand zu arbeiten, und sei es noch so klein, erklärt sich wohl auch von selbst.

An jenem Freitagnachmittag, nachdem jedes Büro eine nette kleine Zusatzbelüftung erhalten hatte, fragte ich den Handwerker mit leicht östlich anmutendem Akzent, ob die Löcher denn das ganze Wochenende da so in offen bestehen blieben und er antwortete mit einem “Ja, muss.”, einem Schulterzucken und dem wunderbaren Satz

“Kann sein, dass Vogel reinkommt!”

Und verabschiedete sich ins Wochenende.


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