Das Klo-Problem

Das Klo-Problem

Wie ich zu meinem Job kam …

Natürlich fällt man nicht aus der Uni in einen Job und so musste auch ich die leidige Prozedur der Vorstellungsgespräche über mich ergehen lassen.

Vorstellungsgespräche sind zwar eines der oberflächlichsten Riten unserer Gesellschaft und eingeladen wird im Normalfall der, dessen Mappe am hübschesten war und zwei Wochen vorher fängt man an, sich zu überlegen, was man eigentlich anzieht und das alles nur weil einem Menschen im Schnitt 0.2 Sekunden Zeit geben, bevor sie einen verurteilen, aber ich schweife ab…

Damals (TM), also vor ziemlich genau einem Jahr habe ich angefangen mit verscheidenen Menschen darüber zu sprechen, ob sie bereit wären, mich jeden Tag von 9 bis 18 Uhr  zu ertragen und mir dafür zu allem Überfluss auch noch Geld zu bezahlen, während ich im Gegenzug auf einer Tastatur herumdrücke. Da Admin-Stellen – zumindest wenn man darunter nicht Toner-Tauschen für Sekretärinnen versteht – als “Jungspund” nicht wirklich leicht zu bekommen sind habe ich mich notgedrungen auch auf ein paar Stellen als C/C++ Entwickler beworben. Die Firmen sollen hier nicht genannt werden, aber nennen wir hier doch die erste “Total Cooles MikroController Zeugs” und die zweite “Irgendwas So Grob Mit Autos”.

Bei der TCMCZ stand ich also eines schönen Nachmittages vor der Tür, man führte mich ein wenig herum, zeigte mir das Mobiliar und die Grünpflanzen – wie das eben so abläuft. Als die Füße dann durch waren setzte man sich mit mir in einen Raum mit Tisch und befand, dass es nun Zeit wäre, sich miteinander zu unterhalten. Da das nicht die Lieblingsbeschäftigung dieser Nerds war, versuchten sie mich reden zu lassen, indem sie akribisch meinen Lebenslauf durchgingen und mich bei jedem Job referieren ließen, was ich da so getan habe und warum. Gut warum weiß ich auch nicht so genau, in den meisten Fällen vermutlich für Geld, aber was solls …

Das Gespräch verlief im großen und ganzen ruhig, bis einer der beiden Nerds, die sich mit mir in dem Raum befanden plötzlich feststellte, dass die Evolution mich mit zwei X-Chromosomen gesegnet hatte. Oder gestraft, alles eine Frage der Perspektive. Hier nochmal für die, die in Bio geschlafen haben: Dass ich eine Frau sei, merkte man an. Und wie ich denn dazu käme, auf die Idee zu kommen, als Frau einen solchen Job zu machen. Ob ich denn mit einem Lötkolben und einem Oszi im Notfall auch mal umzugehen wisse, fragte man.

Ich erwähnte, dass mein Vater gewissermaßen in ähnlichen Bereichen arbeite – allerdings wirklich nur ähnlich denn Windows und Linux vergleichen ist so wie Äpfel und Birnen. Faule Äpfel, wohlgemerkt – und, dass ich da gewissermaßen mit aufgewachsen sei und mit etwa 15 angefangen hatte ein bisschen zu Programmieren.

Dass das aber für eine Frau ungewöhnlich sei, merkte man an. Total beeindruckend. Aber ob ich denn damit klar käme, eine Frau zu sein. Jetzt war ich ein wenig verwirrt “Wie bitte?”. Naja, also, dass ich ja die einzige Frau sei und so und überhaupt und ob das ein Thema sei und man wisse ja nicht, ob das eins sei und – aber ich könne ja unmittelbar nach Abgabe meiner Bachelorarbeit mal zum Probearbeiten vorbeikommen.

Ich hab mich logischerweise nie wieder bei denen gemeldet.

Bei der zweiten Firma, bei der ich mich als Entwickler beworben hatte, der ISGMA, war das Gespräch ähnlich eingeleitet worden, nur dass es da keine Grünpflanzen gab. Die Menschen waren sympathisch und zuvorkommend und es gab sogar Kaffee. Zugegebenermaßen war dieses Vorstellungsgespräch das anstrengendste, denn ich glaube ich habe noch nie so geschwitzt in meinem Leben, als man mit unvermittelt ein Stück CAN-bus Treiber auf einen Bildschirm warf und sagte “Erklären Sie bitte, was dieser Code tut, and in English please.”

Jedenfalls verlief das Gespräch super, sie waren total begeistert von mir, aber dann kam wieder dieses leidige Thema. Dass ich ja eine Frau sei, und damit die einzige in einem Team von 30 Männern und wie ich denn damit umgehen würde und überhaupt. Mit meiner Antwort “Gar nicht, ist doch vollkommen egal, sind doch alles Menschen!” konnte man auch nicht wirklich was anfangen. Dass man da doch Bedenken habe, ob sich das so gut integriere – Mann Leute, und sich über Quoten beschweren und dass es zu wenig Frauen in der Informatik gibt. Wollt ihr mich als Entwickler (bitte ohne _in, *in, oder In!) oder eben nicht?!?

Ich hatte schon mit ähnlichem gerechnet als ich zu dem Vorstellungsgespräch bei meiner aktuellen Firma ankam und hatte mir richtig nette schnippische Antworten auf solche unglaublich dummen Fragen zurecht gelegt, aber ich wurde enttäuscht. Man hat mich über eine Stunde Vorstellungsgespräch ertragen lassen ohne einen dummen Kommentar im Kontext meiner Gonosomen zu machen.

Als sich dann nach dem Gespräch mit den Teamleitern die beiden Chefs über einem Kaffee unterhielten und mich dazu baten, um sich noch kurz von mir zu verabschieden, meinte der eine nur zum anderen “Da müssen wir uns bloß was mit den Klos überlegen.” und der andere entgegnete “Wieso? Sind doch zwei da.”

Ist klar warum mir die am sympathischsten von allen Firmen waren, oder?


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