Techniker ist informiert!

Techniker ist informiert!

Das ist eine der ersten und schönsten Geschichten, die ich in meinem Job bisher erlebt habe. Wer mich persönlich kennt, kennt die Pointe bereits, was sie nicht weniger albern macht.

Nachdem das Büro in dem ich arbeiten sollte zu meiner Einstellung noch nicht ganz fertig war, wurde es dann meine Aufgabe, es mit Internet und co bezugsfertig zu gestalten.

So begab es sich zu jener Zeit, als ein Internetprovider uns einen VDSL Anschluss mitsamt Modem zur Verfügung stellte.

Nach der Konfiguration der PPPoE-Einwahldaten auf der von mir als Router verwendeten Pizzaschachtel mit einem Debian darauf, die neben der Dose im Rack hängt, war leider keine Anbindung an dieses Zwischennetz zu erreichen. Spontan beim Provider ein Ticket aufgemacht, und da man ja Begriffe benutzt, die der First Level Support ohnehin nicht kennt ruft einen spontan ein Kellernerd an, mit dem man auch gerne mal 30-minütige Gespräche über die Vorzüge verschiedener Pen-and-Paper Rollenspielsysteme diskutieren kann (ja den hatte ich öfter mal am Apparat in diesen Wochen).

Im genannten Fall konnte man mir nicht so richtig helfen, auf meine Nennung der Kennung des mich abweisenden Radius-Servers aus den Debuginformationen des PPP-Daemons fragte der Nerd am Telefon seine umsitzenden Kollegen “Habt ihr [Kennung des Radiusservers wegen Lokalisierungsgefahr zensiert] schonmal gehört?” und die beste Antwort, die er darauf erhielt war “Das klingt wie die Kennung eines Radiusservers.” – Ach so, ja klar, wäre ich nicht drauf gekommen *seufz*

Nachdem man mich bat, die Einwahl doch einmal mit einem Windows-Laptop zu versuchen, da man von Linux also wirklich keine Ahnung hatte und das Windows so aussagekräftige Fehlermeldungen lieferte wie “Verbindung nicht möglich” sagte man mir, man schicke einen Techniker vorbei um die Leitung zu entstören.

Fast eine Woche später (die bereits eingezogenen Kollegen arbeiteten indirekt über ein LTE-Modem: Der Router hatte einen WLAN-Stick verpasst bekommen, damit auf den Dosen, an denen die Entwickler ihre Laptops anschließen, LTE anliegt) fand sich dann ein etwas älterer Techniker von Kabelteleeins bei uns im Büro ein. Ich empfing ihn sogar annähernd pünktlich und führte ihn zu den Anschlussdosen im Büro und dem Klingeldrahtgrab im Keller, auf dem noch Aufkleber mit Posthörnern kleben. Nach einigem Gepiepse und Gefachsimpele stellte er fest, dass der Fehler wohl auf dem Weg nach draußen liegen müsste. Da ich noch nie einen Outdoor-DSLAM von innen gesehen hatte bin ich neugierig mit raus auf die Straße gepilgert.

Während er verzweifelt versuchte unsere Leitung wiederzufinden, die nicht annähernd da anlag, wo seine Unterlagen es vorsahen (was auch das Problem war, warum die Leitung nicht ging) stecke ich mit dem Kopf zur Hälfte in dem großen grauen Kasten und verfolgte gedankenverloren das Internet auf dem Weg aus der Faser in den Draht.

“Sie hätten einen technischen Beruf erlernen sollen!”, sagte der ältere Techniker plötzlich zu mir. Ich war verwirrt.

“Hä? Habe ich doch”, entgegnete ich.

“Wirklich? Was denn?”, fragte er und piepste weiter vor sich hin.

“Ich habe Informatik studiert, mit Schwerpunkt auf Technischer Informatik.”, erklärte ich.

“Achso?”, fragte er verwundert (was mich noch mehr verwirrte), “Und was machen Sie dann hier?”

“Naja, die anderen da oben entwickeln eine Software”, setzte ich zur Erklärung an, “und ich bin hier Admin, ich kümmere mich um die komplette Infrastruktur und sorge dafür, dass alle Server und so weiter in Schuss sind, damit die Anderen in Ruhe arbeiten können.”

“Achso…?”, sagte der Techniker, “Nagut, ich habe mich ja auch schon gewundert, warum die Sekretärin so viele technische Begriffe kennt.”

 


One thought on “Techniker ist informiert!

  1. Pennylane, das sehe ich vor mir. Meine Frau ist in einer ähnlichen Sitation: Heizungsbau; sie weiß zwar sehr viel mehr als die “gestandenen” Heizungsbauer, muss sich aber jedes mal neu beweisen.
    Sie lacht sich manchmal innerlich schief, geht dir vermutlich auch so 😉

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