Unmäßigkeit ist eine der sieben Todsünden

Unmäßigkeit ist eine der sieben Todsünden

Nein, ich fange jetzt nicht an über Religion zu sprechen, dazu fehlen mir sowohl Motivation als auch das umfassende Hintergrundwissen. Viele Lehren aus dem Religionsunterricht gelten heutzutage auch nicht mehr als besonders zeitgemäß, und ehrlich gesagt habe ich die Sache mit der Unmäßigkeit nie so richtig verstanden, bis ich gesehen habe wie Menschen mit der Ressource RAM umgehen.

Da mein vorheriger Arbeitgeber eine Software produzierte, welche im weitesten Sinne Daten aus verschiedenen Quellen sammelt und weiterverarbeitet, wurde ebenjenes Produkt natürlich auch intern getestet. Dabei war es notwendig auf dem Wiki Server ein Tool zu installieren, welches die zugehörigen Metadaten extrahiert. An dieser Stelle sprechen wir über ein relativ kleines Snippet, das einzig und allein dazu da war mittels HTTP eine sehr überschaubare Menge Daten in einem maschinelesbaren Format (keine Ahnung mehr ob das XML oder JSON war) zu übermitteln.

Naiv, wie ich damals war, habe ich natürlich einfach das von den Devs überreichte Binary installiert und gestartet, nur um mich alsbald zu wundern, warum der Server ziemlich in die Knie geht. Ein kurzer Blick ins htop ergibt, dass das besagte Stück Software zwischen ein und zwei Gigabyte RAM beanspruchte. Auf der VM die das Wiki beherbergte waren das bis zu 25 Prozent, was die beträchtlichen Leistungseinbußen natürlich erklärte. Es stellte sich in der Folge noch heraus, dass die verwendete JAVA-Library die eigenheit hatte, sobald man irgendetwas mit HTTP oder REST tat, automatisch einen Tomcat mit hochzufahren. Und Menschen wundern sich wirklich, warum ich diese Programmiersprache unter der Kategorie “Technik, die begeistert” abhefte.

Als ich den Dev, der maßgeblich für die Entwicklung des Werkzeugs verantwortlich war, darauf ansprach, sagte er einen Satz, den ich vermutlich in diesem Leben nie wieder vergessen werde, da er mich zutiefst traumatisiert hat:

“Wenn ich eine Applikation Programmiere, dann mache ich mir doch keine Gedanken über den Memory-Footprint!”

Möbiusbackup

Möbiusbackup

Alles fing wie immer ganz harmlos an:

Eines schönen morgens schickte das Backup eine Mail, dass kein Platz mehr frei sei. Nagut das kommt schonmal vor, weil der Pool ja nun genau so groß ist, wie er sein muss – da wartet man dann ein bis zwei Tage, in denen laufen alte Volumes ab und das ganze regelt sich von selbst wieder. Wenn aber drei Tage lang das Backup steht fängt man doch mal an zu grübeln. Als ich dann nachsah, welche Kiste denn da übervoll ist, war der Kandidat erstmal recht unauffällig, klar die Maschine mit den Buildartefakten der Devs ist gerne mal recht voll, aber 400 Gigabyte bauen eigentlich selbst die nicht…

Also mal den Kollegen gefragt, ob er in letzter Zeit was an dem Server gemacht hat. Mein damals noch Kollege war ja nicht nur meine zweite Gehirnhälfte im Büro, sondern ist auch einer meiner besten Freunde, wenn ich ihn also hier aus anonymitätsgründen “Monsterchen” nenne und er dabei ein bisschen trottelig weg kommt, keine Angst, das habe ich ihm hinterher alles genau so gesagt – mit den liebevollen und aufbauenden Worten “Boah, du Trottel!”. Liebes Monsterchen, ich hab dich trotzdem lieb 😉

Ja, er hatte probleme mit dem VPN auf der Kiste gedebuggt, die sich letztendlich nach langer Suche, bei der er vor lauter Bäumen den Wald nicht gesehen hatte, auf ein abgelaufenes Zertifikat zurückführen ließen. Leider hatte er dabei in der OpenVPN config das verb 11 vergessen wieder auf gesunde 3 zurückzudrehen. Wer jetzt schon weiß was passiert ist: Ja, genau das – nur noch schlimmer. Der Server hatte brav jedes einzelne Paket in den OpenVPN Log geschrieben, aber nicht nur das: Die kompletten Backups liefen über das VPN, was natürlich eine hübsche kleine Endlosschleife produziert hatte, da der Backupdienst versuchte selbiges Log zu backupen, das weiterhin parallel anwuchs.

Die ganze Sache grenzte schon ein klein wenig an totale Vertrottelung, illustriert aber wunderbar, was passiert, wenn man nach dem Testen oder Debuggen nicht ordentlich hinter sich aufräumt.

Also liebe Lesende: Husch, husch, räum deine Server auf!

Back to Life

Back to Life

Hallo ihr Lieben,

es tut mir sooooooooooo leid, dass ich sooo lange nicht mehr geschrieben habe.

Leider hatte ich wenig Zeit, da sich bei mir einiges verändert hat, vor allem der Arbeitgeber. Statt in einer kleinen und ziemlich verrückten Developerbude bin ich inzwischen bei einem IT Security Unternehmen, dessen Name – wie alle anderen auch – aus Diskretionsgründen nicht genannt werden soll. Wer mich kennt weiß es ja sowieso, und wer mich nicht kennt braucht es nicht zu wissen.

Glücklicherweise ist auch das ein Laden voller lustiger, bunter und verrückter Nerds, deren Alltag manchmal Geschichten ausspuckt, die hier wunderbar rein passen werden.

Aber zunächst möchte ich euch noch mit ein paar Schmankerln aus der alten Firma beglücken, die schon ziemlich lange in der Queue hängen, da ich ja leider keine Zeit hatte sie niederzuschreiben.

Weil Kuchen dick macht …

Weil Kuchen dick macht …

… haben mir die Kollegen aus dem Projektteam zum Geburtstag ein Ticket aufgemacht.

Mit dem Betreff “HAPPY BIRTHDAY” und einem Bild von Harley Quinn als Attatchment.

Total lieb und süß von denen. Beweist nur leider, dass sie mich inzwischen viel zu gut kennen.

Ich weiß ich nur nicht so ganz ob “New Feature” wirklich die richtige Kategorie war – meiner einer hätte das wohl eher als Bug angelegt aber was solls…

Danke jedenfalls <3

Soft Lockup yourself!

Soft Lockup yourself!

Ich rege mich gerade schon wieder viel zu sehr auf. Worüber? Developer natürlich! Warum? Developer natürlich!

Die aktuelle Lieblings-Spielwiese meiner Devs ist ja nun, wie es sich für mode- und trendbewusste Nerds gehört, Docker. Warum man neuerdings unbedingt alles in Container packen muss, wofür auch ein Paket gereicht hätte, erklär mir mal bitte einer, der seine Seele noch nicht in einer cgroup weggesperrt hat.

Jedenfalls gab es bei Lasttests auf einem kleineren Cluster lustige CPU Soft Lockups, die – wie es “zufällige” Verteilung auf Computern nunmal so will – erstmal immer auf derselben Kiste auftraten. Der zuständige Entwickler, nennen wir ihn an dieser Stelle einfach mal Sylvester, schlussfolgerte sofort: Die böse Hardware ist schuld. Wenn Entwickler etwas nicht verstehen ist schließlich immer die Hardware schuld. Oder ich. Da ist mir die Hardware dann doch lieber. Dass ich dann mehrfach versucht habe zu erklären, dass Soft Lockups eigentlich aufgrund ihrer Struktur quasi kein Hardwarefehler sein können, war ihnen ziemlich egal. Glücklicherweise gibt es bei uns einen Developer, nennen wir ihn mal Ewok, der schon auf unterschiedlichen Systemebenen gearbeitet hat und mir beipflichtete. Sollte er das hier jemals lesen, danke dafür. Ich schlug ein Kernel-Update vor, da das laut vergangener Docker-Bugs mit ähnlichen Symptomen wohl schon öfter geholfen hat. Aber wer hört schon der kleinen Blondine aus dem Admin-Büro zu.

Leider war die Anzahl der Ausfälle auf der betreffenden Kiste (3) statistisch signifikanter als die Menge der Menschen, die sagten, dass ein Hardwarefehler extrem unwahrscheinlich sei (2), woraufhin ich einen Memtest beim Hoster beantragte. Nachdem das soweit ergebnislos verlief kam es, wie es kommen musste:

Heute morgen hatte ich ein Ticket von Sylvester, dass ein anderer Rechner aus dem Cluster per SSH nicht erreichbar sei. Kurz auf den Rechner erfolgreich per SSh eingeloggt hätte ich das Ticket eigentlich mit der Begründung “cannot reproduce” ablehnen müssen. Eigentlich. Denn ich hatte ja die Fehlermeldungen zu den Soft Lockups auf der Shell gesehen und bin von Natur aus ein wenig zu gutmütig. Ich unterrichtete Ewok von meinem Plan, es nun einmal mit einem Kernel Update zu versuchen – wenn auch nicht ohne vorher bei Sylvester ein zugegebenermaßen etwas zu selbstgefälliges “Told you so” fallen zu lassen. Also kurz neuen Kernel her, alle Kisten rebootet und beiden kurz eine Nachricht zukommen lassen, dass ich damit so weit durch war. Ticket geschlossen.

Wer als Infrastruktur-Mensch arbeitet oder jemals gearbeitet hat weiß, dass das Empfangen von Dank jetzt nicht unbedingt zur Jobbeschreibung gehört, allerdings gibt es bisweilen auch das grobe Gegenteil und dann werde ich doch ein bisschen angesäuert. So auch in diesem Fall.

Nachdem ich mich also – entgegen anders definierte Prozessstruktur – aus Entgegenkommen gegenüber den betroffenen Entwicklern und um des lieben Friedens willen darum gekümmert hatte, brummt mein Handy mit einer Mail vom Ticketsystem. Jemand hatte in das geschlossene Ticket einen Kommentar geschrieben. Jemand war Sylvester und der Kommentar war, dass der Docker Dienst sich nicht starten ließe. Ich bat ihn darum, dafür bitte ein neues Ticket aufzumachen, da dieses bereits geschlossen sei. Aber wer jetzt glaubt, man würde mir mit Verständnis für einen Ticket-Workflow begegnen, der das einzige ist, was einen Admin vom Wahnsinn trennt, der irrt sich gewaltig.

Dass das Ticket dann eben noch nicht hätte geschlossen werden dürfen, meinte Sylvester. Und dass ich hier die Workflow-Verletzung begangen habe weil ich das Kernel Update nicht im Ticket vermerkt habe – wo es ja eigentlich schon von Anfang an nicht das passende Ticket gewesen war…

Ich entschuldigte mich an dieser Stelle natürlich brav dafür, dass ich durch meine Nichteinhaltung der Prozesse für eine solche Unklarheit bezüglich des Workflows gesorgt hatte, und das ein solches Missverständnis in Zukunft hoffentlich nicht mehr vorkommt. Das war es dann eben mit dem Entgegenkommen.

Wem meine Reaktion zu hart vorkommt, dem sei an dieser Stelle gesagt, dass es nicht das erste Mal war, sondern es eine analoge Situation bereits mit Netzwerkproblemen bei Docker-Overlay-Netzwerken gegeben hatte, die ein Dev, der mit Docker arbeitet ja nicht nachvollziehen oder reproduzieren können muss, da er von Natur aus kein Netzwerkadministrator ist. Und da der Netzwerkadministrator nunmal nicht per Container verschifft, kann sie das Problem nunmal nicht eigenständig reproduzieren. Aber das ist eine andere Story und zwar eine so anstrengende, dass ich sie euch ersparen möchte.

So, ich gehe dann mal Regenbögen in meine pinke Kaffeetasse kotzen und dabei die Melodie von Jeopardy summen.

PS: Mein Kollege ist einfach der Beste! Der hat mir eine Daddy’s Little Monster Tasse besorgt – jetzt fehlt mir nur noch ein Baseballschläger mit der Aufschrift “Good Night” xD (Wer es nicht versteht googele jetzt bitte mal nach Harley Quinn)

 

Da brat mir doch einer nen Treiber!

Da brat mir doch einer nen Treiber!

Heute hat eine Fehlersuche der in meinen Augen etwas absurderen Art stattgefunden:

Ein Kollege (einer meiner liebsten deshalb habe ich ihm geholfen), nennen wir ihn einfach mal Skippy, beklagte sich darüber, dass bei seinem Notebook der Suspend-Modus nicht funktioniert. Dabei handelte es sich um ein 15 Zoll Notebook mit separater Nvidia-Grafikkarte eines namhaften Herstellers, dessen 13-Zoll-Variante ohne Gaminggrafik und Schnickschnack ich benutze.

Die betroffene Distribution war ein Ubuntu 16.04 – aber auch unter 15.04 hatte es schon nicht funktioniert. Nach dem suspend ging der Laptop von alleine wieder an und der Bildschirm blieb schwarz. Mit föhnenden Lüftern betätigten sich die Geräte als Heizung, was auch zwei andere Kollegen mit denselben Geräten unter Ubuntu 15.irgendwas und Debian stretch bestätigen konnten.

Ich erinnerte mich, dass ich anfangs ganz ähnliche Probleme gehabt hatte, dass es allerdings bei mir schon seit langem reibungslos funktionierte, und dass es bei mir außerdem ein BIOS-Update mit einem Fix zum Thema suspend gegeben hatte. Also betreute ich Skippy psychologisch, während er das BIOS-Update von Mitte letzten Jahres herunterlud und installierte. Leider ohne Effekt.

Da das halbe Internet auf ähnliche Probleme stieß aber niemand eine befriedigende Lösung dazu anbieten konnte, verdächtigte ich natürlich zunächst die bösen proprietären Treiber der Nvidia-Grafikkarte und wir versuchten, diese abzuschalten. Da das im BIOS nicht ging (und es sowieso im BIOS keine Optionen zu irgendeiner Grafikkarte gab) hatten wir immerhin Glück unter Ubuntu ein funktionierendes prime-select vorzufinden. Einer von euch muss mir bei Gelegnheit dringend mal zeigen, wie ich ein PCI-Device zur Laufzeit einfach mal vom Bus kicken kann…

Naja leider war es wohl nicht die böse Nvidia-Grafik und es blieb unklar, warum es bei mir als einziges funktionierte. Nachdem beim suspend/hibernate auch immer eine Warnmeldung des Ethernet-Controllers zu sehen war kam irgendwann dann irgendjemand auf die Idee, dass wir ja noch ein Device mit bösen prorietären Treibern in der Suppe schwimmen hatten: die Broadcom-WLAN-Karte.

Nun bin ich ja ein besonderer Freund von nicht-Intel WLAN-Karten, da die unter Linux ja bekanntlich so gut funktionieren *hust*. Naja auf jeden Fall funktionierte die bei meinem Notebook auch mehr schlecht als recht und machte immer wieder ärger weshalb ich – Moment mal – permanent mit entladenem wl-Modul herumlaufe und es nur bei echtem Bedarf lade, denn im Büro hänge ich ja sowieso am Kabel. Aber das muss ein Zufall sein. Bitte lass das ein Zufall sein, liebes Universum, denn wer schafft es so banane zu sein, dass man sowas so verkackt?

Es kam, wie es kommen musste: rmmod wl, und schwupps, suspend verhält sich wie es soll und schon immer getan hat. *facepalm*

Wer jetzt so wie ich glaubt “nimmste das in die suspend-Skripte mit auf und fertig” hat sich leider getäuscht, denn es ist unmöglich herauszufinden, wo jetzt der suspend-Knopf von so einem Unity oder Gnome3 oder wasauchimmer hinzeigt. Fest steht der systemd-logind ist es nicht und wenn ich DBus anfasse bekomme ich ausschlag.

Naja wer weiß, Skippy suspendet jetzt von der Shell aus und für alles andere findet sich vielleicht irgendwann noch ein Developer, der ne schlaue Idee hat. Was bin ich froh, dass mein i3 keinen Suspend-Button hat…

Handwerker im Haus

Handwerker im Haus

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass ich weitestgehend für die Bezugsfertigkeit unseres neuen Büros verantwortlich gemacht worden war. Während ich also zwei Wochen im Oktober damit verbrachte, im neuen Büro das Internet auszurollen, übernahm ich nebenbei die Betreuung der diversen Handwerker, die noch verschiedene Arbeiten zu erledigen hatten.

Die ersten beiden Tage hatte ich dabei noch “Unterstützung” von meinem damaligen Kollegen, nennen wir ihn Kevin. Kevin war damals genauso frisch von der Uni wie ich, hatte aber nebenbei noch nicht so viel gearbeitet und ihm fehlte in gewissen Bereichen noch ein wenig das Fingerspitzengefühl. So saß er damals mit mir im neuen Büro und konnte mir nicht beim Konfigurieren des Routers und des Switches helfen, da er den USB auf RJ45 Adapter für sein MacBook vergessen hatte. Ich dagegen hatte den kompletten Sonntagabend damit verbracht, einen Rucksack mit allen Notwendigkeiten für die vor mir liegende Unternehmung zu bestücken: Diverse Kabel und Adapter, Schraubendreher in allen möglichen und unmöglichen Formen und Größen, zwei Notebooks, Strom in verschiedensten Verpackungsformen und sogar zwei Campingstühlen (gut zugegeben die waren nicht im Rucksack sondern im Kofferraum), da es noch kein Mobiliar im Büro gab.

So schwitzte ich über der Aufgabe, das erste Mal in meinem Leben mit tagged VLANs und Routingtabellen in Kontakt zu kommen und während ich mich nach einer Glaskugel sehnte meinte Kevin plötzlich zu mir:

“Dein Internet geht nicht.”

“Das ist jetzt nicht dein ernst, oder?”, fragte ich.

“Doch, wie soll ich denn so meine Mails abholen? Das WLAN geht noch garnicht!”

“Wieso WLAN? Hilf mir doch lieber mal mit dem [Zensiert] hier!”

“Naja weil ich keinen Adapter fürs LAN-Kabel dabei habe!”

“Der WLAN-AP liegt da drüben in der Tasche, du kannst gerne schonmal das OpenWRT drauf flashen.”

“Davon hab ich keine Ahnung, mach du das. Außerdem hab ich doch kein Kabel.”

Die nächsten zwei Wochen habe ich dann allein in dem neuen Büro verbracht, aber wer denkt, dass ich in Ruhe hätte arbeiten können, irrt sich gewaltig. Während die anderen Kollegen ein wenig nölten “ich hätte es ja so gut, dass ich nicht mehr jeden Tag so weit pendeln muss”, bin ich irgendwann ausgerastet und beauftragte jemanden, dem nächsten, der das sagt, im anderen Büro eine Schlagbohrmaschine neben sein Ohr zu halten.

Zu diesem Zeitpunkt wurden gerade in allen Büros die Klimageräte unter die Decke gehängt und schöne kleine Löcher von etwa 5cm Durchmesser in die Außenwände gebohrt, um anschließend das Gerät draußen anzuschließen. Dass das im Oktober nicht mehr so ultimativ gemütlich war, neben einem Loch in der Wand zu arbeiten, und sei es noch so klein, erklärt sich wohl auch von selbst.

An jenem Freitagnachmittag, nachdem jedes Büro eine nette kleine Zusatzbelüftung erhalten hatte, fragte ich den Handwerker mit leicht östlich anmutendem Akzent, ob die Löcher denn das ganze Wochenende da so in offen bestehen blieben und er antwortete mit einem “Ja, muss.”, einem Schulterzucken und dem wunderbaren Satz

“Kann sein, dass Vogel reinkommt!”

Und verabschiedete sich ins Wochenende.

Das Klo-Problem

Das Klo-Problem

Wie ich zu meinem Job kam …

Natürlich fällt man nicht aus der Uni in einen Job und so musste auch ich die leidige Prozedur der Vorstellungsgespräche über mich ergehen lassen.

Vorstellungsgespräche sind zwar eines der oberflächlichsten Riten unserer Gesellschaft und eingeladen wird im Normalfall der, dessen Mappe am hübschesten war und zwei Wochen vorher fängt man an, sich zu überlegen, was man eigentlich anzieht und das alles nur weil einem Menschen im Schnitt 0.2 Sekunden Zeit geben, bevor sie einen verurteilen, aber ich schweife ab…

Damals (TM), also vor ziemlich genau einem Jahr habe ich angefangen mit verscheidenen Menschen darüber zu sprechen, ob sie bereit wären, mich jeden Tag von 9 bis 18 Uhr  zu ertragen und mir dafür zu allem Überfluss auch noch Geld zu bezahlen, während ich im Gegenzug auf einer Tastatur herumdrücke. Da Admin-Stellen – zumindest wenn man darunter nicht Toner-Tauschen für Sekretärinnen versteht – als “Jungspund” nicht wirklich leicht zu bekommen sind habe ich mich notgedrungen auch auf ein paar Stellen als C/C++ Entwickler beworben. Die Firmen sollen hier nicht genannt werden, aber nennen wir hier doch die erste “Total Cooles MikroController Zeugs” und die zweite “Irgendwas So Grob Mit Autos”.

Bei der TCMCZ stand ich also eines schönen Nachmittages vor der Tür, man führte mich ein wenig herum, zeigte mir das Mobiliar und die Grünpflanzen – wie das eben so abläuft. Als die Füße dann durch waren setzte man sich mit mir in einen Raum mit Tisch und befand, dass es nun Zeit wäre, sich miteinander zu unterhalten. Da das nicht die Lieblingsbeschäftigung dieser Nerds war, versuchten sie mich reden zu lassen, indem sie akribisch meinen Lebenslauf durchgingen und mich bei jedem Job referieren ließen, was ich da so getan habe und warum. Gut warum weiß ich auch nicht so genau, in den meisten Fällen vermutlich für Geld, aber was solls …

Das Gespräch verlief im großen und ganzen ruhig, bis einer der beiden Nerds, die sich mit mir in dem Raum befanden plötzlich feststellte, dass die Evolution mich mit zwei X-Chromosomen gesegnet hatte. Oder gestraft, alles eine Frage der Perspektive. Hier nochmal für die, die in Bio geschlafen haben: Dass ich eine Frau sei, merkte man an. Und wie ich denn dazu käme, auf die Idee zu kommen, als Frau einen solchen Job zu machen. Ob ich denn mit einem Lötkolben und einem Oszi im Notfall auch mal umzugehen wisse, fragte man.

Ich erwähnte, dass mein Vater gewissermaßen in ähnlichen Bereichen arbeite – allerdings wirklich nur ähnlich denn Windows und Linux vergleichen ist so wie Äpfel und Birnen. Faule Äpfel, wohlgemerkt – und, dass ich da gewissermaßen mit aufgewachsen sei und mit etwa 15 angefangen hatte ein bisschen zu Programmieren.

Dass das aber für eine Frau ungewöhnlich sei, merkte man an. Total beeindruckend. Aber ob ich denn damit klar käme, eine Frau zu sein. Jetzt war ich ein wenig verwirrt “Wie bitte?”. Naja, also, dass ich ja die einzige Frau sei und so und überhaupt und ob das ein Thema sei und man wisse ja nicht, ob das eins sei und – aber ich könne ja unmittelbar nach Abgabe meiner Bachelorarbeit mal zum Probearbeiten vorbeikommen.

Ich hab mich logischerweise nie wieder bei denen gemeldet.

Bei der zweiten Firma, bei der ich mich als Entwickler beworben hatte, der ISGMA, war das Gespräch ähnlich eingeleitet worden, nur dass es da keine Grünpflanzen gab. Die Menschen waren sympathisch und zuvorkommend und es gab sogar Kaffee. Zugegebenermaßen war dieses Vorstellungsgespräch das anstrengendste, denn ich glaube ich habe noch nie so geschwitzt in meinem Leben, als man mit unvermittelt ein Stück CAN-bus Treiber auf einen Bildschirm warf und sagte “Erklären Sie bitte, was dieser Code tut, and in English please.”

Jedenfalls verlief das Gespräch super, sie waren total begeistert von mir, aber dann kam wieder dieses leidige Thema. Dass ich ja eine Frau sei, und damit die einzige in einem Team von 30 Männern und wie ich denn damit umgehen würde und überhaupt. Mit meiner Antwort “Gar nicht, ist doch vollkommen egal, sind doch alles Menschen!” konnte man auch nicht wirklich was anfangen. Dass man da doch Bedenken habe, ob sich das so gut integriere – Mann Leute, und sich über Quoten beschweren und dass es zu wenig Frauen in der Informatik gibt. Wollt ihr mich als Entwickler (bitte ohne _in, *in, oder In!) oder eben nicht?!?

Ich hatte schon mit ähnlichem gerechnet als ich zu dem Vorstellungsgespräch bei meiner aktuellen Firma ankam und hatte mir richtig nette schnippische Antworten auf solche unglaublich dummen Fragen zurecht gelegt, aber ich wurde enttäuscht. Man hat mich über eine Stunde Vorstellungsgespräch ertragen lassen ohne einen dummen Kommentar im Kontext meiner Gonosomen zu machen.

Als sich dann nach dem Gespräch mit den Teamleitern die beiden Chefs über einem Kaffee unterhielten und mich dazu baten, um sich noch kurz von mir zu verabschieden, meinte der eine nur zum anderen “Da müssen wir uns bloß was mit den Klos überlegen.” und der andere entgegnete “Wieso? Sind doch zwei da.”

Ist klar warum mir die am sympathischsten von allen Firmen waren, oder?

Techniker ist informiert!

Techniker ist informiert!

Das ist eine der ersten und schönsten Geschichten, die ich in meinem Job bisher erlebt habe. Wer mich persönlich kennt, kennt die Pointe bereits, was sie nicht weniger albern macht.

Nachdem das Büro in dem ich arbeiten sollte zu meiner Einstellung noch nicht ganz fertig war, wurde es dann meine Aufgabe, es mit Internet und co bezugsfertig zu gestalten.

So begab es sich zu jener Zeit, als ein Internetprovider uns einen VDSL Anschluss mitsamt Modem zur Verfügung stellte.

Nach der Konfiguration der PPPoE-Einwahldaten auf der von mir als Router verwendeten Pizzaschachtel mit einem Debian darauf, die neben der Dose im Rack hängt, war leider keine Anbindung an dieses Zwischennetz zu erreichen. Spontan beim Provider ein Ticket aufgemacht, und da man ja Begriffe benutzt, die der First Level Support ohnehin nicht kennt ruft einen spontan ein Kellernerd an, mit dem man auch gerne mal 30-minütige Gespräche über die Vorzüge verschiedener Pen-and-Paper Rollenspielsysteme diskutieren kann (ja den hatte ich öfter mal am Apparat in diesen Wochen).

Im genannten Fall konnte man mir nicht so richtig helfen, auf meine Nennung der Kennung des mich abweisenden Radius-Servers aus den Debuginformationen des PPP-Daemons fragte der Nerd am Telefon seine umsitzenden Kollegen “Habt ihr [Kennung des Radiusservers wegen Lokalisierungsgefahr zensiert] schonmal gehört?” und die beste Antwort, die er darauf erhielt war “Das klingt wie die Kennung eines Radiusservers.” – Ach so, ja klar, wäre ich nicht drauf gekommen *seufz*

Nachdem man mich bat, die Einwahl doch einmal mit einem Windows-Laptop zu versuchen, da man von Linux also wirklich keine Ahnung hatte und das Windows so aussagekräftige Fehlermeldungen lieferte wie “Verbindung nicht möglich” sagte man mir, man schicke einen Techniker vorbei um die Leitung zu entstören.

Fast eine Woche später (die bereits eingezogenen Kollegen arbeiteten indirekt über ein LTE-Modem: Der Router hatte einen WLAN-Stick verpasst bekommen, damit auf den Dosen, an denen die Entwickler ihre Laptops anschließen, LTE anliegt) fand sich dann ein etwas älterer Techniker von Kabelteleeins bei uns im Büro ein. Ich empfing ihn sogar annähernd pünktlich und führte ihn zu den Anschlussdosen im Büro und dem Klingeldrahtgrab im Keller, auf dem noch Aufkleber mit Posthörnern kleben. Nach einigem Gepiepse und Gefachsimpele stellte er fest, dass der Fehler wohl auf dem Weg nach draußen liegen müsste. Da ich noch nie einen Outdoor-DSLAM von innen gesehen hatte bin ich neugierig mit raus auf die Straße gepilgert.

Während er verzweifelt versuchte unsere Leitung wiederzufinden, die nicht annähernd da anlag, wo seine Unterlagen es vorsahen (was auch das Problem war, warum die Leitung nicht ging) stecke ich mit dem Kopf zur Hälfte in dem großen grauen Kasten und verfolgte gedankenverloren das Internet auf dem Weg aus der Faser in den Draht.

“Sie hätten einen technischen Beruf erlernen sollen!”, sagte der ältere Techniker plötzlich zu mir. Ich war verwirrt.

“Hä? Habe ich doch”, entgegnete ich.

“Wirklich? Was denn?”, fragte er und piepste weiter vor sich hin.

“Ich habe Informatik studiert, mit Schwerpunkt auf Technischer Informatik.”, erklärte ich.

“Achso?”, fragte er verwundert (was mich noch mehr verwirrte), “Und was machen Sie dann hier?”

“Naja, die anderen da oben entwickeln eine Software”, setzte ich zur Erklärung an, “und ich bin hier Admin, ich kümmere mich um die komplette Infrastruktur und sorge dafür, dass alle Server und so weiter in Schuss sind, damit die Anderen in Ruhe arbeiten können.”

“Achso…?”, sagte der Techniker, “Nagut, ich habe mich ja auch schon gewundert, warum die Sekretärin so viele technische Begriffe kennt.”